FONDS exklusiv: Die BONUS Gruppe hat die fair-finance Vorsorgekasse übernommen. Welches Signal geben Sie mit der Übernahme an den Markt, also insbesondere an Aktionäre, Stakeholder und Kunden?
Georg Daurer: Die demografischen Herausforderungen nehmen angesichts einer alternden Bevölkerung weiter zu. Daher wird auch der Bedarf an betrieblicher Altersvorsorge weiter steigen. Unsere Aktionäre sind unverändert stark daran interessiert, die sich hieraus ergebenden Wachstumschancen zu nutzen, zumal es im derzeitigen Umfeld schwierig ist, signifikant Marktanteile zu gewinnen.
Wie stark erhöht sich der Marktanteil der BONUS Vorsorgekasse durch die Übernahme?
G. D.: Der Marktanteil der BONUS Vorsorgekasse wird sich von rund 8,5 auf etwa 14 Prozent erhöhen. Damit sind wir die drittgrößte Vorsorgekasse im österreichischen Markt. Bei den Pensionskassen liegen wir mit einem Marktanteil von knapp acht Prozent unverändert auf Rang vier. Hier braucht die Branche insgesamt Flankenschutz von der Politik und den Sozialpartnern, damit die Breite der Erwerbstätigen erreicht werden kann.
Welchen Mehrwert bietet dieser Wachstumsschritt für die Kunden?
G. D.: Im Zuge der Integration der fair-finance Vorsorgekasse werden wir die über 585.000 Anwartschaftsberechtigten in einer eigenen Veranlagungs- und Risikogemeinschaft innerhalb der BONUS sicher und transparent weiterführen. Einen spürbaren Mehrwert für unsere Kunden stellen die mit der gewonnenen Größe verbundenen Kostenvorteile dar. Denn ein Volumen von beispielsweise 1.000 Millionen Euro lässt sich deutlich effizienter verwalten als eine VRG mit einem Volumen von 100 Millionen Euro. Auch Kosten, die durch die künftig
geforderte Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen der EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD, entstehen,
fallen so weniger ins Gewicht.
Das Veranlagungsjahr 2024 ist noch nicht zu Ende, aber vermutlich wird es für die BONUS Gruppe zu den besseren zählen, oder?
G. D.: Ja, per Ende des dritten Quartals 2024 liegt die BONUS Pensionskasse wie im Jahr 2023 über dem Marktdurchschnitt. Trotz relativ geringerer Schwankungsbreiten liegen wir je nach VRG zwischen sechs und elf Prozent Performance. Die BONUS Vorsorgekasse liegt am Marktschnitt bei deutlich geringerem Risiko. Der Anlageerfolg der Pensionskasse begründet sich vor allem darin, dass wir unsere Veranlagungen im Zeitverlauf nur in kleinen Schritten ändern, also größtenteils investiert bleiben. Erfahrungsgemäß ist es einfach, sich von Investments zu verabschieden, dafür aber umso schwerer, danach den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg zu finden.
Welchen Anteil haben Ihre Aktien- und Anleiheinvestments am bisherigen Veranlagungserfolg Ihrer Pensionskasse?
G. D.: Wir haben unsere Aktienquote erhöht, sind aber unter dem Marktdurchschnitt geblieben. Hinsichtlich der Ausrichtung hat es sich – wie in den letzten Jahren fast immer – ausgezahlt, dass wir stärker global investiert sind und dies besonders in den USA, aber weniger in Europa. Bei den Anleihen haben wir die Marktentwicklungen recht frühzeitig antizipiert, was uns Kursgewinne eröffnet hat.
Wie sind die Perspektiven bei der BONUS Vorsorgekasse?
G. D.: Hier werden wir nicht ganz vorn dabei sein, weil wir eine strategische Position für 2024 eingegangen sind. Konkret haben wir den Anteil von Held-to-Maturity-Anleihen in unseren Anleiheportfolios auf insgesamt 50 Prozent erhöht, sodass wir uns Zinssätze von 3,5 bis 4,0 Prozent sichern konnten, da die HTM-Anleihen bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Damit schaffen wir zum Vorteil der Arbeitnehmer ein Ertragspolster und dauerhaft mehr Stabilität in den Portfolios.
Inwiefern, Herr Daurer?
G. D.: Bei Pensionskassen beginnen die Pensionszahlungen erst mit der Pensionierung, weshalb Kursschwankungen in der Ansparphase für den Arbeitnehmer kaum von Bedeutung sind. Bei Vorsorgekassen ist das anders. Wenn Arbeitnehmer gekündigt werden oder den Arbeitsplatz wechseln, lassen sie sich in der Regel ihren Abfertigungsanspruch auszahlen, was der Gesetzgeber zulässt. Folglich ist es für sie positiv, wenn die Höhe ihrer Abfertigung auch unterjährig keinen größeren Schwankungen an den Kapitalmärkten unterliegt.